Selbstprogrammierung

Mir begegnen in der letzten Zeit immer häufiger Menschen, die mich fragen:

„Wieso bist du immer so gut gelaunt?“

Ich vermute, dass sie meinen „Wieso bist oder wirkst du immer so glücklich?“ *

Zugegeben eine Frage, die man nicht wirklich nebenbei beantworten kann. Nicht mal 10% der Antwort habe ich bereits in den Artikeln hier angekratzt. Aber wir alle liebe einfache Lösungen und einfache Antworten, weil unser Gehirn diese für nachmachbar und geeignet einstuft.

Vielleicht gelingt es mir, einige Sätze zu formulieren, die der Antwort und dem Anspruch zur Lösung gerecht werden können:

Ich möchte die Frage „Wieso bist du immer gut gelaunt?“ ein bisschen umformulieren, damit die Geisteshaltung oder neudeutsch das Mindset hinter meiner Happiness klarer wird:


Ich überlege nicht jeden Tag und jede Minute „wie kann ich gut gelaunt oder glücklich sein?“ Vielmehr denke ich:

Wofür kann ich gerade dankbar sein? Die Zeit zu Schreiben zu haben!

Wofür kann ich generell dankbar sein? Keine unheilbaren Krankheiten zu haben!

Was widerfährt mir gerade Großartiges? Luft strömt durch meine Lungen!

Was durfte ich heute schon alles Schöne erleben? In meinem eigenen Bett aufzuwachen!

Was schenkt mir gerade das Universum? Den Frieden und die Zeit, diesen Artikel zu schreiben!

Was schenken mir gerade die Menschen, die mir begegnen? Bin gerade alleine 😉

Das Geheimnis liegt nicht im Finden der Glücklichkeit. Das Geheimnis liegt in der positiven, dankbaren und liebevollen eigenen Reaktionen auf alles, was mich umgibt, was mir passiert, was gerade vorgeht und wie ich mich dazu stelle.

Mein (unser) Happiness-Muskel funktioniert wie ein starker Muskel wie z.B. der Rücken: Ist dieser oft anstrengenden und fordernden Tätigkeiten ausgesetzt (Last und Progression) wird er stärker, wächst und ist den normalen Anforderungen „im Schlaf“ gewachsen. Wer mal 10 Klimmzüge geschafft hat, dem wird künftig 1-3 davon so leicht fallen, dass er es nicht bemerkt. Aber wer nicht mal einen schafft, für den ist es – wenn er es braucht – sehr hart und schwierig.

Ich habe vor ein paar Tagen den Artikel zu meinem Dankbarkeitstagebuch geschrieben. Diese 5 Minuten aufgeteilt in 2 morgens und 3 abends sind das „Fitness-Training“, welches mich durch den gesamten Tag begleitet und mir ständig ins Gedächtnis ruft: Das Leben ist das, was du durch deine Sicht auf die Dinge, aus ihnen machst. Mach etwas Gutes daraus.


Jeden Abend fragt mich meine App „Welche drei großartigen Dinge sind dir heute begegnet??“ Man könnte meinen, dass auf einer täglichen Basis schwer wird, „großartige Dinge“ und dann noch drei, jeden Abend zu notieren: Partner meines Lebens gefunden? Nobelpreis gewonnen? Lotto gewonnen?

Würdest du mich jetzt sehen, sähest du mich wieder Schmunzeln, denn diese eigentlich lustig gemeinte Formulierung ist ein großer Teil der Unglücklichkeit vieler Menschen: Warten auf den richtigen Moment und warten auf den großen positiven Knall. Beide Momente kommen vermutlich nie und lassen uns dann die gesamte (Warte)zeit davor unglücklich hoffen, bangen wünschen. Einen kleinen Ausflug dazu habe ich in dem Artikel „Genug ist genug“ gewagt.

Die drei Dinge, die ich jeden Abend schreibe kosten mich kein Nachdenken, denn ich habe gelernt im Hier und Jetzt gerade die Kleinigkeiten – wie die Antworten oben – zu erkennen und wertzuschätzen. Dazu gehört, wenn mich jemand anlächelt, mir die Tür aufhält, mich an der Kasse vorlässt oder mich freundlicher bedient, als ich erwartet hätte. Und dazu gehört auch, wenn Leute mir verzeihen oder mir eine Brücke bauen, wenn mein Verhalten nicht gut oder kalt und ungerecht war. Eben all die Vibrationen und Schwingungen, die mir entgegengebracht werden, die ich selbst gerne verkörpern oder empfangen würde.


Der Artikel heißt „Selbstprogrammierung“ weil das die Essenz dieser Idee ist: Niemand kann sich Glück und Zufriedenheit (langfristig) kaufen oder imitieren. Glück und Zufriedenheit an sich sind zwei unterschiedliche Dinge:

Das Glück(sgefühl) stellt sich ein, wenn du deine innere Zufriedenheit erlangt hast. Ist diese innere Zufriedenheit so stark (Selbstliebe und Fremdliebe) gewachsen und gefestigt, wirst du in allem Außen, den Menschen, Dingen, Situationen stets das Gute sehen.

Selbst wenn es auf den ersten Blick schlimm erscheint, wird dir immer öfter sofort bewusst, dass daraus Gutes erwächst. Siehe Trump und AFD: Beide ist auf den ersten Blick „Wahnsinn“ aber doch bringt es jetzt schon mal, als man am Anfang gedacht hätte: Menschen, die sonst politikverdrossen sind, engagieren sich. Multinationale Konzerne, die sonst in Umweltgremium Ablass mit Geld betreiben, treten aus der Politik aus und gründen mächtige Wirtschaftsumweltschutzorganisationen, der Club der Milliardäre engagiert sich stärker denn je. Die Liste ist endlos.

Die Sicht auf die Dinge – deine Sicht auf die Dinge – ist das, was die glücklich oder unglücklich machen willst.

Du hast es in der Hand bzw. im Herzen.

Die Auseinandersetzung mit der abendlichen Frage, welche drei schönen Dinge heute passiert sind, bringt dich in die Lage zu lernen, den Tag aufmerksam zu erleben und zu erinnern.

Mir hilft der Vergleich:

„An Kritik erinnern wir uns Jahre – an ein Lob 5 Minuten“

Je öfter du den Tag abends auf positive Erlebnisse Revü passieren lässt, desto öfter merkst du am Tag „Ah wieder ein guter Moment für die abendliche Liste – muss ich mir merken.“

Übrigens: Natürlich muss ich abends auch mal länger nachdenken oder bin noch voller Frust oder Ärger über etwas andere. Aber alleine die Beschäftigung, dass ich jetzt drei positive Dinge finden muss kommt einer Meditation gleich und hilft mir Ärger, Frust und Wut abzuschütteln und den Fokus meiner Gedanken und meiner Gefühle wieder in die Mitte zu bringen und aufs Positive zu blicken.

Irgend ein herzweiser Mensch sagte mal

„Das Gegenteil von Angst ist nicht Mut sondern Dankbarkeit.“

Menschen, die mich persönlich kennen, lachen öfter, weil sie wissen, dass ich viele Dinge vergesse. Ich sehe es mittlerweile nicht mehr als Schwäche und Last sondern als Geschenk und Entlastung: Denn wenn ich auch manches positive Erlebnis vergesse, so vergesse ich auch das Negative und bin mehr im Hier und Jetzt denn je.

Aber wenn du dich abends mal fragst, was z.B. gestern oder heute ganz genau passiert ist – wie ein Logbuch, dann wird es dir vermutlich schwer fallen, den gesamten Tag zu rekonstruieren. Das ist in Ordnung! Aber ich möchte dir sagen, dass es sich lohnt ab jetzt öfter am Tag mental und körperlich inne zu halten, die Zeit bis dahin zu „speichern“ bzw. das positive zu extrahieren, in Gedanken und im Herzen zu halten, und dann weiterzumachen. Dein Herz wird es dir danken.

Ich möchte diesen Artikel mit einer Idee beenden, die man auch als Tipp werten könnte. Wer mich kennt weiß, dass ich eigentlich nicht gerne Ratschläge, Empfehlungen oder Tipps ungefragt gebe, denn das würde voraussetzen, dass ich mich in deine Situation und Welt eindenken könnten. Daher erzähle ich dir, was mir hilft und geholfen hat und überlasse dir, ob das etwas für dich sein könnte:

„Wenn es dir schlecht geht, dann stell dir vor, du wärst dein bester Freund: Was würdest du ihm raten?“

Wenn mir abends nichts zum Aufschreiben einfällt, dann versuche ich mir vorzustellen, mich würde jemand danach fragen. Ich vergegenwärtige mir also, dass diese Zeit jetzt mir gehört und ich mit meinem tiefsten inneren Selbst in Verbindung trete: Alleine diese Zeit und dieser Vorgang sind in meinem aktiven Leben so besonders und so ein Geschenk, dass schon dieser Vorgang großartig ist.

Ich wünsche dir, viele großartige Momente in deinem Leben, die sich tief in deinem Herzen verankern und dir stets Frieden, Glücklichkeit und Freude stiften.

PS: Glaubst du, dass Menschen, die mich fragen, wieso ich immer gut drauf bin, nach diesem Artikel eine Antwort auf ihre Frage erhalten haben?

*) Ich wünsche dir, dass dir jetzt klarer wird, wieso ich eigentlich immer gut gelaunt und fröhlich durch meine Tage schwebe. Es gibt wie bei allem schwarz und weiß – das wohnt uns allen inne – aber ich habe für mich entschieden, stets das weiße im schwarzen zu sehen und mir das Beste rauszupicken, was mir begegnet.